Panik um Peakoil Teil 3

2. Februar 2010 | Von msuess | Kategorie: Hintergrunddebatte

In Teil 1 dieser Dreier-Reihe habe ich Ihnen die Geschichte der Prognosen zu einer Endlichkeit der Versorgung mit Erdöl und Erdgas und einige Vorsitzende des Club Of Rome seit seiner Entstehung vorgestellt. Wir haben versucht, zu erfahren, welcher Teil ihrer Vita diese Menschen dazu qualifiziert hat, derlei Prognosen aufzustellen. Es ging auch darum, wo und für welche Organisationen diese feinen Herren mitunter simultan dazu tätig waren.
Im zweiten Teil dieser Reihe habe ich die Profiteure der Peak Oil-Theorie, die Auftraggeber des CoR, was sie mit deren Verbreitung bezwecken sowie andere, die nicht von der Peak Oil-Panik profitieren, sie dennoch verbreiten, vorgestellt, den Mechanismus, der zur Ausbildung eines schlechten Gewissens gegenüber belebter und unbelebter Natur führt.
Einen anderen Ansatz hat Gastautor J. Straubinger in der jw

„Man will sich und anderen partout den Glauben an die guten Zwecke der herrschenden Politik erhalten. […]
Als dazu passendes Angebot von unten gibt es die mit der Kritik an der Chimäre »Konsumgesellschaft« vorauseilende Einsicht in jede von oben ausgegebene Verzichtsideologie.
Mit der völlig inhaltslosen Forderung nach einem »gemeinsamen Handeln« an die Chefs und Chefinnen fällt genau die Ursache des Problems weg: Eben die Angesprochenen setzen doch in ihrer gegenseitigen Konkurrenz die für Mensch und Natur so ruinösen Bedingungen ins Werk.“

Mein Dank an einen Blogger von Jürgen Elsässer, der mich darauf aufmerksam machte!
Im nunmehr vorliegenden, dritten Teil der Serie möchte ich Ihnen gern die Abiotische Theorie vorstellen.
Zunächst aber möchte ich Friedrich W. Nietzsche aus dem Vorworte zu seinem Werk „Die Fröhliche Wissenschaft“ zitieren, das wie kaum eines sonst in diese Betrachtung paßt:

„Fröhliche Wissenschaft, das bedeutet Saturnalien des Geistes, der einem furchtbaren langen Drucke geduldig widerstanden hat – geduldig, streng, kalt, ohne sich zu unterwerfen, aber ohne Hoffnung –
[…[ was Wunders, daß dabei viel Unvernünftiges und Närrisches an‘s Licht kommt, viel mutwillige Zärtlichkeit, selbst auf Probleme verschwendet, die ein stachlichtes Fell haben und nicht darnach angethan sind, liebkost und gelockt zu werden.“

Kann es sein, daß Erdöl nicht nur aus Organismen entsteht, sondern auch der Erdkruste entspringt? Lautet daher die korrekt formulierte Hauptfrage, die ich allem Weiteren voran stellen möchte.

focus-Redakteur Odenwald formulierte das vor gut 1 Jahr etwa so:
„Die Theorie von einer „abiotischen“ Entstehung des Erdöls wurde in den 50er-Jahren von russischen Forschern entwickelt. Weil diese als Angehörige der Sowjetunion im Kalten Krieg nicht in westlichen Fachzeitschriften publizieren konnten, blieb sie im Westen nahezu unbekannt.“

Und hat damit zumindest teilweise Recht. Auch woanders, dort, wo man Rohöl auch schon länger fördert, haben die damit betrauten Gesellschaften schon aus Neugier solche Forschung möglich gemacht, werden seit den 50er-Jahren solche Experimente gemacht, die natürliche Bedingungen wie hohen Druck und hohe Temperatur, nachbilden, nachempfinden. Auf Mikroben oder Farne als vermeintlich einziges Ausgangsmaterial für die Entstehung von Rohoel hat man bei diesen Versuchsanordnungen verzichtet.

Ein Eintrag in der Encyclopedia Britannica befaßt sich mit der Herkunft von Öl und hat folgendes trauriges Ende:

“Trotz des enormen Volumens wissenschaftlicher Arbeiten, die sich mit Erdöl befassen, verbleiben viele unbeantwortete Fragen hinsichtlich seiner Herkunft.”

Im Jahre 1757 gab der russische Geologe Michail Wassiljewitsch Lomonossov als erster seine Hypothese bekannt, daß Erdöl “fossilen Treibstoff” darstelle, seinen eigenen Vermutungen und der dürftigen wissenschaftlichen Kenntnis seiner Zeit schlußfolgernd, lautete sie: ‚Erdöl stamme aus den winzigen Körpern von Tieren, die in Sedimenten eingeschlossen unter hohen Drucken und Temperaturen sich über unvorstellbar lange Zeiträume in Erdöl umwandelten.‘

Da geht es aber schon los, denn dort, wo Erdoel und Erdgas gefördert werden und wurden, hat man keine eingeschlossenen Tierkörper finden können, wie am Anfang des Hollywood-Blockbusters “Jurassic Park”.

Das war die aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammende Vermutung, die von Vertretern der Kirche der Heiligen Nachhaltigkeit als Faktum bis auf den heutigen Tag verbreitet wird. Sie hat das Wort fossile Brennstoffe geprägt. Johann Wolfgang Goethe, ein weiterer der allgemein be- und anerkannten Universalwissenschaftler, war gerade 25 Jahre verschieden, als Lomonossow diese Theorie zu Papier brachte, und ließ zu seinen Lebzeiten sein alter Ego, Dr. Fausten, unter anderem diesen Vers sprechen:

Habe nun, ach! Philosophie,
Juristerei und Medizin,
Und leider auch Theologie!
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh ich nun, ich armer Tor!
Und bin so klug als wie zuvor;
Heiße Magister, heiße Doktor gar,
Und ziehe schon an die zehen Jahr
Herauf, herab und quer und krumm
Meine Schüler an der Nase herum -
Und sehe, daß wir nichts wissen können!
Das will mir schier das Herz verbrennen.

Universalgelehrter zu sein, bedeutete, alles bekannte Wissen auf sich zu vereinigen. Das in seinen vielen Teilgebieten erarbeitete Wissen hat in der Folge exponentiell zugenommen, und fürderhin unmöglich gemacht, daß ein Mensch sich alles davon zu eigen mache.

Wo ich schon mal so weit in die Vergangenheit abgetaucht bin, möchte ich noch ein wenig dort verweilen, um aufzuzeigen, wie es zur Theorie von den endlichen, weil fossilen Brennstoffen gekommen war:

Michail Lomonossow widersprach der − seinerzeit weithin akzeptierten − Phlogistontheorie und formulierte als erster die Idee von der Erhaltung der Materie bei chemischen Prozessen, erfahren wir aus der wikipedia, die sich eigentlich mal anschickte, die Nachteile der Enzyclopedia Britannica mit den Vorteilen des Internets zu verbinden. Doch wurde, wird solch gutes Ansinnen nicht nur von WahlakmpfhelferInnen in den USA hintertrieben.
Aus diesem Grunde gibt es bis jetzt keinen Artikel dort, der sich mit der Abiotischen Theorie befaßt, jedoch viele, die Peak Oil zum Thema haben.

Vor Lomonossow war die Phlogistontheorie weit verbreitet. Phlogiston jedoch war kein Stoff wie Benzin oder Dieselkraftstoff, sondern ein Prinzip. Man wußte von der Beobachtung her, das manches brennt, und anderes wiederum nicht. Man kannte natürlich auch Hautverbrennungen von Kriegen her, und sicher hat schon damals dann und wann jemand sein Essen anbrennen lassen, statt es rechtzeitig vom Feuer zu nehmen.

Und da geht es mit der Phlogistontheorie richtig los:
Man nahm nämlich an, daß Phlogiston in einen Körper eindringe der sich dann aufwärme und gegebenenfalls verbrenne. Der Theorie zufolge war Phlogiston ein Bestandteil von Materie, der bei Umwandlungen wie Verbrennung oder Verrostung entweicht, die Asche oder den Rost zurücklässt und keine oder eine negative Masse hat.

Wenn ein Körper erwärmt wurde, drang angeblich Phlogiston in ihn ein, wodurch der Körper sich ausdehnte. Wenn man ihn zusammenpresste (z. B. Luft in einer Pumpe), wurde das Phlogiston der Theorie nach herausgedrückt und drang in umliegende Materie ein. Es wurde dadurch Wärme an einem benachbarten Körper spürbar. Mit der Zeit trat der Stoff wieder aus dem Körper aus, der dadurch erkaltete. (nach wikip.)

Lomonossow nun war ein Vertreter der neueren, atomistischen Theorie und bereitete die Kinetische Gastheorie konkret vor: bereits ihm zufolge ist Wärme eine Form der Bewegung der kleinsten Teilchen. Er habe auch das Prinzip der Massenerhaltung, auch als Lomonossow-Lavoisier Gesetz bekannt, entwickelt, verrät die wikipedia. So war das also. Der eine formuliert den Energieerhaltungssatz, der andere meint es nur gut, und erdenkt den Massenerhaltungssatz. Wer so viel wie Michail Lomonossow ersonnen hat, darf sich auch mal irren.

Lavoisier hat lange nach Lomonossows Tode, neun Jahre später, nämlich im Jahre 1774, den englischen Chemiker Joseph Priestley kennengelernt, der beim Erhitzen von Quecksilberoxid oder Kaliumnitrat festgestellt hatte, dass Gase entweichen, die er „Feuerluft“ nannte. So angeregt fand Lavoisier durch eigene Experimente heraus, dass es sich bei den Gasen um einen Stoff handelt, der Bestandteil von Luft und Wasser ist. Er nannte diesen Stoff Oxygenium (Sauerstoff) und entwickelte die Theorie der Oxidation, erfahren wir wiederum aus der wikipedia.
Verarbeitung von Wissen ist mehr, als es nur zusammenzutragen, deshalb erwartet man auch bei der wikipedia, daß die LeserInnen derlei tun – mit Aufkommen der Oxidationstheorie wurde, schon vor langer Zeit, genau vor 236 Jahren, der Massenerhaltungssatz, der wiederum die Grundlage für die fossilen Brennstoffe und deren Entstehung bildete, relativiert.

Erinnern Sie Sich wieder an Ihre Schulzeit?
Ich gerade jetzt, und da besonders an Sir Isaac Newton, der wie Goethe, lange vor Lomonossow das Licht der Welt erblickte, und den Energieerhaltungssatz prägte, der allerdings nur bis zu Einsteins Relativitätstheorie uneingeschränkte Wirkung besaß. In Großbritannien, wo auch die Gesellschaft British Petroleum ihren Hauptsitz hat, gibt es eine Reihe Chaosmagier, mehr als anderswo, denen auch recht viele chaosmagisch bewegte Schäfchen ihre Schriften abkaufen und ihnen nachlaufen. Ihr Logo ist kein Kreuz noch Mond, sondern der Chaosstern, der ein wenig dem Logo der Pfeilkreuzler ähnlich sieht, aber auch Seeminen und graphischen Darstellungen von Viren, da sich die Pfeile räumlich in jede Richtung ausdehnen. Warum ich Sie damit behellige, möchten Sie wissen?

Mein blogger-Kollege freeman aus der Schweiz hat auch einen sehr lesenswerten Beitrag über dieses Themangebiet geschrieben, der andere, wissenswerte Details zur Energieversorgung behandelt und andere Fragen dazu beantwortet. Es gibt auch eine schöne Filmdiku dazu:

Nichts hier geschieht ohne Grund. So ein Chaosmagie-Guru verbreitet in mindestens einer teuer zu erstehenden Schrift, die nie den Eisernen Vorhang hätte passieren können, die mir mal so ein Schäfchen zu lesen empfahl, daß eben die Chaosmagie die Widersprüche zwischen Newtons Energieerhaltungssatz und Einsteins Relativitätstheorie aufzuheben vermag.

Ein Widerspruch zwischen beiden, zwischen Newtons Energieerhaltungssatz und Einsteins Relativitätstheorie gibt es wirklich! Er ist nur nicht relevant, denn jedes Ding hat seinen eigenen, begrenzten Geltungsbereich und will diesen, anders als Imperien, nicht ausdehnen.

Endlich zur Abiotischen Theorie
Erdöl wird auch aus fast 10.000 Metern Tiefe gefördert. Druck- und Temperaturbedingungen unterhalb von 6.000 Metern Tiefe zerstören alle organischen Strukturen, die durch Lebewesen gebildet worden sind. Dieses wieder bedeutet, daß das “Herkunftsmaterial” im Falle einer biogenen Entstehung völlig in Gesteinsschmelze oder Hochdruck-/Hochtemperatur-Metamorphose aufgegangen ist. Nur eine abiotische Entstehung kann Hydrokarbone (das sind Kohlenwasserstoffe wie Ethan, Propan etc.) aus diesen Tiefen – ganz ungeachtet des Ausgangsmaterials – erklären.

Erschöpfte Ölquellen füllen sich – so scheint es – wieder “von selbst” auf. Die TfT (d. h. fossile Theorie) kann hier keine Erklärung liefern, die abiotische Theorie für die Bildung von Hydrokarbonen schafft es hingegen souverän: es liegt in der Natur der Sache! Das Volumen, also die schiere Menge des bis dato geförderten Öls, übersteigt die Menge an Öl, die sich aus früher auf der Welt lebenden Tieren gebildet haben könnte, um ein Vielfaches. (nach ZDG)

Die TfT führt nicht lückenlos bis zum Endprodukt, also ist nicht lückenlos, doch es ist anzunehmen, daß beide Wege, der biotische in wesentlich geringerer Tiefe als der abiotische, und der andere in größeren Tiefen, zu Erdoel und Erdgas führen.

Der erste Chart zeigt Ihnen, daß diejenigen, die mit Oel, Gas und Folgeprodukten handeln, seit zirka 1981 wieder viel Boden gut zu machen haben. So könnte man es sehen. Da hilfte jede gute Story.

Der zweite Chart reicht ein bißchen weiter, und zeigt: it’s never enough!

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