Oettinger auf der Berliner Konferenz der Columbia Universität
27. Januar 2010 | Von msuess | Kategorie: AktuellesLiebe LeserInnen,
Günter Öttinger ist vielen von Ihnen, mir auch, erst so richtig durch seine am 11. April 2007 gehaltene Trauerrede während des Staatsaktes im Freiburger Münster anläßlich des Begräbnisses von Hans Filbinger, der 1978 nach öffentlichem Druck zurückgetreten war, bekannt geworden.

Während dieser Rede hatte Oettinger ausgeführt:
„Anders als in einigen Nachrufen zu lesen, gilt es festzuhalten: Hans Filbinger war kein Nationalsozialist. Im Gegenteil: Er war ein Gegner des NS-Regimes. […] Es bleibt festzuhalten: Es gibt kein Urteil von Hans Filbinger, durch das ein Mensch sein Leben verloren hätte.“
Nachdem der Zweite Weltkrieg vorbei war, wurde unter anderem auch die NSDAP aufgelöst, und so
Hans Karl Filbinger zu einem von Öttingers Vorgängern im Amt des baden-württembergischen Ministerpräsidenten.
Dabei war die Sache mit Filbinger eigentlich über Jahrzenhte hinweg geklärt:
1978 wurden infolge von Filbingers Unterlassungsklage gegen den Dramatiker Rolf Hochhuth schrittweise vier Todesurteile gegen Deserteure, also wegen Feigheit vor dem Feind bekannt, die Filbinger als Marinerichter 1943 und 1945 beantragt oder gefällt hatte. In der Folge verlor Filbinger den Rückhalt der Öffentlichkeit und seiner Partei und trat schließlich am 7. August 1978 als Ministerpräsident zurück. (nach Wikip.) Man vergegenwärtige sich, daß nach dem Kessel von Stalingrad 1942 die Nazis allenthalben auf dem Rückweg waren, ihre Mission spätestens ab da aussichtslos.
Wer Filbinger und Oettinger nennt, kommt um Mathias Platzeck und dessen Einbindungsstrategie für Die Linkspartei in die bundesdeutsche Parteienlandschaft nicht herum.
Mit dem Gestus des verzeihenden Demokraten hatte Platzeck Ende letzten Jahres auf die “gelungene Demokratisierung” Westdeutschlands nach 1945, die ihre Voraussetzung darin gehabt habe,
“daß ehemalige Mitläufer [...] und selbst Täter des Nationalsozialismus nicht dauerhaft ausgegrenzt blieben, sondern einbezogen wurden”, hingewiesen. (nach W. Pirker)
Ein bißchen Geschichtsunterricht gab es für diejenigen wie mich, denen “Die Gnade der späten Geburt” (Helmut Kohl) zuteil wurde, in der Rede Platzecks auch, nämlich lobende Worte für die Bemühungen des damaligen SPD-Vorsitzenden Kurt Schumacher, ehemaligen Mitgliedern der Waffen-SS “den Weg zu Lebensaussicht und Staatsbürgertum frei zu machen”. Bei dieser Gelegenheit möchte ich Ihnen auch diesen etwas älteren Artikel von freeman sehr empfehlen.
Zurück zu Günter Oettinger, um den es hier ja hauptsächlich geht.
Der hatte mit seiner Trauerrede auch das Studienzentrum Weikersheim, eine ihrer Selbstdarstellung nach “wegweisende deutsche christliche Denkfabrik” (engl. Thinktank = Denkpanzer Anm. d. R.) mehr oder weniger absichtlich in das öffentliche Interesse gerückt.
In der seit Jahren noch heftiger geführten Islam-Debatte wächst halt zusammen, was zusammen gehört, denn das Studienzentrum Weikersheim ist eine christlich-konservative Denkfabrik, und in der Wertedebatte daher für manche unerläßlich.
Der Historiker Hans Mommsen jedoch, nachdem in der BRD viele Straßen und Plätze benannt sind, sah das Studienzentrum 1986 im Zusammenhang mit dem Historikerstreit als Beispiel für eine Erneuerung nationalkonservativen Geschichtsbewusstseins, das eine Relativierung des Nationalsozialismus begünstige, erfahren wir aus der Wikipedia.
Nun aber endlich das versprochene Video, das noch gar nicht lange auf youtube zu sehen ist:
War da nicht mal dieser Slogan: “Wir koennen alles außer Hochdeutsch”?






