Panik Peak Oil und Club of Rome Teil 2
7. Januar 2010 | Von msuess | Kategorie: HintergrunddebatteEin kurzer Blick zurück:
Im ersten Teil dieser Reihe ging es um die Prognose über das endliche ökonomische Wachstum aufgrund einer bald eintretenden, dauerhaften Unterversorgung der Weltwirtschaft mit Erdöl und Erdgas. Ich umriß kurz die Peak Oil-Theorie, stellte ein paar Vorsitzende des Club of Rome vor und versuchte, ihre besondere wissenschaftliche Eignung für geologische Vorhersagen zu ergründen.
Im zweiten Teil dieser Reihe soll es um Profiteure der Peak Oil-Theorie, und was sie mit deren Verbreitung bezwecken, gehen.
Ich habe schon angedeutet, daß ich eine besondere wissenschaftliche Eignung bei Menschen, die Prognosen zu einem derart determinierenden Aspekt des Lebens machen, für unabdingbar halte. Es geht bei Vorhersagen von solcher Dimension um Wissenschaft, die Grundlage sein sollte. Man muß jedoch nicht, um sich mit diesem Thema auf zweiter Ebene, wie Sie und ich etwa, zu beschäftigen, selbst Mineraloge, Geologe oder Bergbauingenieur sein. Sicher erinnern Sie auch den Spruch von ihrem Lehrer:
Man muß nicht alles wissen, man muß nur wissen, wo es steht.
Dieser Satz zeigt ein klein bißchen die Schattenseiten des freien Wettbewerbs und der freien Rede auf:
in der DDR sind Schriften von Erich von Däniken oder generell die von Ufologen etwa nicht erschienen. Eine gewisse Vorauswahl hilft, die Gültigkeit dieses Satzes zu gewährleisten.
Die Philosophen unterscheiden bei Wissen in zweierlei, nennen das bedeutendere a priori, was so viel bedeutet wie aus erster Hand, selbst erworben, verifiziert oder falsifiziert und somit sicher. Oder eben Blech. Dann kennen die Philosophen noch eine Art Wissen, das Übermittelte. Mit dem ist‘s aber längst nicht so weit her.
Szenenwechsel:
„Selig sind, die da glauben und nicht sehen!“
sprach der gekreuzigte und wieder auferstandene Jesus von Nazareth zu seinem Jünger Thomas, welcher die Zeugnisse der anderen, sie hätten ihren Messias nach der Kreuzigung dar selbst wandeln sehen, nicht so recht wahr haben wollte, und darauf bestand, seine Hände selbst in Jesu Wunden zu legen, selbst zu fühlen, wo die Nägel seinen Meister durchbohrt hätten.
Die Philosophie ist so etwas wie die Mutter aller Wissenschaften, und so geht es nicht nur den Philosophen weniger um die Seligkeit im Glauben, als viel mehr um das Wissen, die Gewissheit, die sie schenkt. Analog zum Werbeslogan eines schwedischen Möbelhauses könnte man also sagen:
„Weißt du schon, oder glaubst du noch?“
Das übermittelte Wissen ist dem a priori Erworbenen also klar nachrangig, weil man nicht recht weiß, stimmt das nun, oder schreit bloß jemand: „Die Wölfe, die Wölfe!“
In der Praxis ist es aber leider nicht wie in der Geschichte. Von wegen: ‚wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch…‘ Mit schuld ist das nein, das sollte ich hier nicht schreiben sondern: der gute Wille der Massen, zu vergeben und zu vergessen.
So will ich jetzt auch etwas guten Willen zeigen, und mal annehmen, die Redakteure von jw und anderen haben einfach fürchterlich viel zu tun, und nicht genug Zeit, bei der Fülle von Informationen, die es immer und ständig zu prüfen, auszuwerten und weiter zu verarbeiten gibt:
stimmt denn das nun, oder ist es Blech?
Und wie sagte Junkie und Jazzsängerin Amy Winehouse über die Printmedien?
„In die Zeitung von heute wickelt man morgen Fisch.“
„Wozu all die Mühe?“ wird sich so mancher denken, dessen Gehalt schon lange eingefroren ist, nicht mit der Inflation oder sonst irgendetwas mithält. Mancher Blogger, der im besten Falle begeisterte Zuschriften bekommt, wird sich auch denken: „Your love don’t pay my rent!“
Und das sind noch die Besseren, wie wir sehen werden.
Richtig gierige Kreise in den USA haben sich die so genannte Grand Strategy ausgedacht. Und anders, als viele vermuten, verhält sich Peak Oil nicht einfach so oder so dazu, sondern ist elementares Argument, ja Dreh- und Angelpunkt dieser Großstrategen. Und da ja die Erdölreserven nicht einfach im leeren Raum stehen, das Öl selbst seit 1971 mit dem US$ korreliert, in dieser als Leitwährung betrachteten Einheit abgerechnet wird, macht so ein Geschwätz zusätzlich Sinn:
Schaffe zwei Bedrohungsszenarien, die ich hier mal mit Reisezielen eines Busfahrers gleichsetzen will, und du holst mehr Menschen an der Bushaltestellte ab als mit nur einem. Wer gar drei Bedrohungsszenarien hat, ist noch besser dran. Irgendwer läuft ihm bestimmt hinterher. Wie dem Flöte spielenden Rattenfänger die Hamelner Kinder. Emissionsrechtehändler Al Gore macht’s vor:
In seinem Hollywood Angstschocker sagt er vor einer größeren Anzahl ZuhörerInnen: „ist es möglich, daß wir uns neben der Gefahr des internationalen Terrorismus noch auf eine andere Gefahr konzentrieren müssen, uns ihr stellen, ihr entschieden begegnen müssen …?“
und baut, wie ein Klingelgangster an der Haustür eine waghalsige Argumentationskette auf, die im Handstreich noch das Lama beinhaltet, das man zum Bären mit auf den Rücken gebunden bekommt. Aber Gore ist ja ein Demokrat der Parteizugehörigkeit nach, und daher nicht so direkt mit der Grand Strategy verbunden. Eher die Konservativen. Manche Beobachter unterscheiden bei den US-Konservativen noch in zwei Gruppen, die „Genuinen“ also alt hergebrachten, wie etwa Ron Paul und halt die Hardliner, auch Ultras oder Neocons genannt. Sie unterscheiden sich in etwa so:
Erstere gaben sich mit dem zufrieden, was die USA, bestimmte Lobbygruppen wie der militärisch-industrielle Komplex und Konzerne etwa der Lebensmittel-, Automobil- und Tabakbranche während des Systemkonflikts mit der Sowjetunion und ihrem Verband sozialistischer Bruderstaaten beherrschten. Sie sind halt Antikommunisten reinsten Wassers, was nur wenige stört, denn sie sind weit harmloser, als die Neocons, die Webster Griffin Tarpley etwa in einem Interview mit Gerhard Wisnewski als verkappte Faschisten, Nationalsozialisten, bezeichnete. Die stehen unumwunden zu ihren Allmachtsphantasien, dazu, sich weltweit Zugang zu allen wichtigen Rohstoffquellen und somit Arbeitskräften bei der Förderung zur Not militärisch zu sichern, und überhaupt, wie Richard Perle es mal begeistert, beaming with delight formulierte:
„Wir können alles und jeden, das sich auf der Erde bewegt, beobachten, und alles, was wir beobachten können, können wir auch terminieren!“
Wer den Hollywood-Blockbuster Terminator kennt, weiß, was mit Terminieren gemeint ist. Wußten Sie, daß die 10-Tonnen-Bomben, die anglo-amerikanische Bomberverbände während des WWII über Berlin und anderen deutschen Großstädten abgeworfen haben, auch schon Blockbuster hießen?

Zurück zu Peak Oil.
Manch Hobbyschreiber wähnte sich da schon einem Geheimnis auf der Spur, beklagte etwa, das Thema Peak Oil werde lediglich oder hauptsächlich hinter verschlossen Türen diskutiert.
Die sind feste zu, damit von draußen niemand das schallende Gelächter hört!
Solche Musterknaben wie die Vorsitzenden des CoR oder Richard Perle, viele viele andere, wie sie etwa Israel Finkelstein im außerordentlich dicken Quellenanhang seines Buches „Die Holocaust Industrie – wie das Leiden der Juden ausgebeutet wird“ aufführt, gehören zu den Lachenden. Oftmals geschäftige Leute, die mehr als ein Interesse haben, aber nicht notwendig. Das AIPAC ist eine solche Organisation, wo derlei Interessen koordiniert werden. Das ist auch schlüssig, weil unter dem Meer vor Gaza beträchtliche Öl- und Gasvorkommen bekannt sind.
Solche Angst, wie die vor der Verknappung verbreitet man aus einem einfachen Grunde. Krise ist richtig gut fürs Geschäft.
Erinnern Sie Sich noch, wie ein dreistelliger Millionenbetrag an eine de facto insolvente Bank gezahlt wurden, wie Milliarden in systemisch wichtige Banken gesteckt, auch andere Industriezweige mit dem Argument der Krise so richtig dolle gefördert wurden? Klar, so ein Aufblähen der Staatsverschuldung zugunsten von Kriegsgewinnlern und anderen windigen Profiteuren und Hasardeuren geht nur alle paar Jahre mal, und Vertreter der österreichischen Konjunkturtheorie, auch bekannt als Oesterreichische Theorie vom geschaeftlichen Rade bekannt, 1755 erdacht von Richard Cantillon, macht es deutlich: ein Rad dreht sich, ein fester Punkt auf seinem Durchmesser kommt mal nach oben an und mal findet er seinen unteren Totpunkt wieder. In guten Zeiten dreht sich das Rad von der ganz normalen Ausbeutung, und der Staat muß nur wenig fördern.
Eines der für Angstmacher und Überzeugte gleichermaßen entscheidenden Papiere, die Peak Oil ‚beweisen‘, ist „The Cheney National Energy Report“ vom April 2001, benannt nach Hallyburton-Dick Cheney, der sich wiederum auf eine andere (Experten-)Studie beruft, die „Strategic Energy Police: challenges for he 21st century“ des James Baker Institute for Public Policy und des CFR, des Council on Foreign Relations, auch so einer bemerkenswerten Organisation, gleichsam vom April 2001, beruft. Das James Baker Institut für Öffentlichkeitsarbeit. So so.
Der Report in Verbindung mit den Prognosen der Geologen der grand strategy des PNAC-Dokumentes liefert stichhaltige Erklärungen für Amerikanische außen-, Sicherheits- und Finanzpolitik und die militärischen Interventionen der vergangenen Jahre. (H.J. Scholz) ist so weit eine richtige Feststellung, entscheidend ist jedoch ferner, was damit geschieht.
Leitet man daraus ab: ‚Wenn die das sagen, muß es ja stimmen!‘ ?
Andererseits gibt es sicher Menschen, die für ihr Leben gern Uniformknöpfe polieren, Hosenaufschläge prüfen, Ehrenkordeln gerade rücken, Säbel rasseln, salutieren, gelegentlich prüfen, ob er noch scharf, die private automatische Handfeuerwaffe staubfrei und geölt, mit Wonne schauen, wie junge Männer und neuerdings sogar Frauen um die Wette die Eskaladierwand erklimmen, durch den Schlamm robben…
Der Friede muß bewaffnet sein – (Und wenn der Krieg kommt, wissen wir, was zu tun ist.)
Wir wissen also jetzt, wer etwa die Mär von Peak Oil absichtlich hat durchsickern lassen, und warum.Wer sie ungeprüft oder sonst warum weiterverbreitet.
Lesen Sie in Teil Drei von anderen Wissenschaftlern, die etwas Anderes herausgefunden haben.






