Genfelder – ein anderer Kriegsschauplatz

21. Juli 2009 | Von msuess | Kategorie: Aktuelles

Eigentlich wollte ich aus zwei verwandten Themen einen Artikel machen, dem eigentlichen Thema und einem praktischen Beispiel dazu: gemeint ist das Verhältnis der Produktivkräfte zur Natur, welches, da das Verhältnis der Produktivkräfte zu den Produktionsmitteln die bestimmende Seite desselben Widerspruches ist, die bestimmte Seite eben jenes Widerspruches markiert.

Bekanntermaßen hat der Mensch im Laufe der Zeit alle Produktionsmittel, die er sich erschuf, der Natur abgerungen, musste die verwertbaren Elemente von den noch nicht verwertbaren unterscheiden, und hegte stets die Hoffnung, auch andere, gefundene Materialien, Elemente also, sich später nutzbar machen, oder wenigstens Handel mit ihnen treiben zu können. Das galt nicht nur für Eisenerz, aus dem irgendwann Pflugscharen wurden, mit denen man Äcker bestellen konnte, sondern auch für Zuchtprodukte, wie Zuchtkartoffeln, -schweine, -rinder oder kultivierte Getreidesorten, die höhere Erträge bringen. Wie Kultivieren genau abläuft, kann sich noch bald jeder Mensch vorstellen, besonders anschaulich gelang es mit dem berühmten Baum auf der Halbinsel Krim in Sotschi, den es wenigstens in meiner Kindheit dort gab, an welchem Botaniker es schafften, ca. 24 andere Arten von Pflanzen aufzupropfen. Das Klima am Roten Meer ist für auch solche Versuche recht günstig. Abgesehen davon, was es bringt, wenn > 20 Arten Obst und Gemüse an einem eizigen Stamm wachsen, ist solch ein Handeln aber wirklich harmlos.

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Wie gesagt, können noch die allermeisten Mitmenschen erkennen, wie das gemacht wird, und womöglich reden sich manche auch nur ein, daß das Neue, das, was Marx und Engels in ihrem Manifest unter stetiger Revolution der Produktionsmittel und -methoden zusammengefaßt haben, sei bestimmt ebenso ungefährlich, wie die Übung, mit deren Hilfe die Kerne aus den Apfelsinen / Navelorangen verschwunden waren.

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Was soll man auch am Besten tun, wenn die stetige Revolution der Produktionsmittel und -methoden im Angesicht einer Weltwirtschaftskrise nie gekannten Ausmaßes auch umfaßt, daß jemand seine Arbeit verliert, nicht dafür bezahlt wird, und obendrein vom Jobcenter als neue Arbeitsgelegenheit die Position eines Wachmannes angedient bekommt, der die Felder mit dem Gendreck drauf vor engagierten FeldbefreierInnen schützen soll?

Ganz klar ist das in einer Zeit, in der Formen der Arbeitsorganisation, Regelsätze für Hartz-IV-Betroffene zwar als verfassungswirdrig erkannt, aber dennoch erst mal beibehalten werden oder fremde, weit entfernte Länder unter Zuhilfenahme fantasieloser Behauptungen angegriffen und auf Jahre hinaus besetzt werden, selbst dann, wenn bürgeliche Leidmedien eingestehen müssen, daß 2/3 der stimmberechtigten BRD-Bevölkerung dagegen sind.

Und nicht nur das. Eine Entwicklung, die auf dem Gelände der Sowjetischen Besatzungszone, später DDR, begonnen hatte, und bis Ende der Achziger Jahre den Hauptwiderspruch wenigstens dort außer Kraft gesetzt hatte, die Bodenreform nämlich, wurde kurze Hand mit dem Beitritt derselben zum Wirtschaftssystem der BRD beendet, Großkonzerne noch mit Subventionen überhäuft, um eben dieses Land den kollektiven Besitzern zu entreißen, die Anwohner zu Wachleuten für den Gendreck zu degradieren, der sie direkt krank macht. Tatsächlich häufen sich in ländlichen Gegenden, wo dieses Zeug auf den Feldern ausgebracht wird, Allergien, Unverträglichkeiten, Reizungen der Schleimhäute…

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So gelten die FeldbefreierInnen als solche, die das Eigentum großer Chemiekonzerne beschädigen, und dafür werden sie dann sogar von Abgeordneten aller großen Parteien einschließlich dem Fraktionschef der Partei Die Linke, Herrn Tack, gerügt.

Dabei gleichen sich die “Argumente” all derer, die sich aus dem Landtag Mecklenburg-Vorpommern zu der Charade äußerten, als hätten sich alle Beteiligten vorher ihre Stellungnahme betreffend abgesprochen, ab hier wird zitiert, aus der Ostseezeitung, mv-regio und Laboratory of Physics of Living Matter, weil ich es besser, als die lieben “VolksvertreterInnen” auch kaum ausdrücken könnte:

…die CDU-Distanzierung lag schnell vor – lustigerweise mit Argumenten wie Rechtswidrigkeit und Eigentumsschutz – das ist wirklich beinahe lustig, galt doch den Machthabern der BRD und ihren Vasallen das genossenschaftlich verwaltete und im Interesse gepflegte Eigentum an landwirtschaftlichen Produktionsmitteln so gar nicht als schützenswürdig

Es geht um einen Fall, bei welchem ‘militante’ FeldbefreierInnen angeblich einen Wachmann so schwer verletzten, daß er in ein Krankenhaus eingewiesen werden mußte. Das, als auch die Behauptung, der Wachmann habe sich wider die ‘Militanten’ verteidigt, war zunächst richtig aufgebauscht worden, bis man sich darüber im Klaren wurde, daß dies eine bewußte Falschmeldung von Seiten der Genmanipulierer war.

Denn, das bedauert sicher der eine oder andere, die Rechte von Großgrundbesitzern sind im Zuge der Industriellen Revolution und der weiteren Entwicklung empfindlich zurück geschraubt worden, früher durften Landlords noch ohne Warnung auf Wilderer, wie sie sie nannten, schießen. Die “Wilderer” waren meist landlose Bauern, die mit dem, was man ihnen zusprach, nicht überleben konnten.

Die FeldbefreierInnen konnten entkommen, weshalb Behauptungen über enorme Sachbeschädigung und jetzt sogar einen angeblichen Angriff auf einen Wachmann, so das Kalkül, zu einer baldigen Dingfestmachung der TäterInnen unter Mithilfe der Bevölkerung führen würden. Wiglaf Droste schrieb mal, in seiner Kindheit habe man es mit den RAF-Leuten genau so gemacht, und es habe sogar funktioniert, bei großen Teilen der Bevölkerung.

Nun will ich jedoch nicht die Chaoten von der RAF mit anderen gleichsetzen, die manchmal auch unüberlegt und womöglich auch fremd bestimmt handeln, aber noch keine ‘Bonzenkarren’ oder Kaufhäuser mit Brandsätzen anderer angezündet haben. Dennoch liegt, wie damals, der Verdacht nahe, daß ‘ehrliche’ FeldbefreierInnen nicht den Gendreck, der oftmals unter engmaschigen Netzten gezüchtet wird, heraus reißen und auf die noch nicht kontaminierten Nachbarfelder werfen, so das Bienensterben noch befördern.

Die CDU-Landtagsfraktion hat als Reaktion auf den Angriff die Gentechnik-Gegner aufgefordert, sich von Gewalt zu distanzieren. „Wo Recht und Gesetz gebrochen, fremdes Eigentum geschädigt und Menschen verletzt werden, sind die Freiheitsrechte des Grundgesetzes klar überschritten“, erklärte die agrarpolitische Sprecherin der Fraktion, Beate Schlupp.
dann kam SPD-Minister Backhaus (Auszug)
“Derartige Übergriffe auf die Gesundheit und das Leben der am Versuchsstandort Beschäftigten sowie die schweren Verwüstungen fremden Eigentums sind strafbar und nicht hinnehmbar. Ich verurteile diese brutale Tat der Gentechnikgegner auf das Schärfste. Die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern unterstützt die Sicherheitsforschung im Bereich der Grünen Gentechnik. Dazu sind Forschungsversuche unbedingt erforderlich.” ,

Weiter sagte der Minister, dass
“die Wirkung solcher Aktionen weit über den einzelnen Versuch hinaus reicht. Sie verändern das gesellschaftliche Klima, in dem Sicherheitsforschung mit gentechnisch veränderten Pflanzen stattfindet, und machen den von mir gepflegten sachlichen Umgang mit der Technologie fast unmöglich. Ich halte die Vorfälle für eine erschreckende und nicht akzeptable Entwicklung. Ich möchte an dieser Stelle meine Anerkennung und meinen Dank an alle aussprechen, die sich trotz auch persönlicher Angriffe weiterhin der Technologieentwicklung verpflichtet fühlen.”

Der Linke-Fraktionschef Tack legte nach – eine Partei, die bislang vor allem durch Weggucken bei der Gentechnik geglänzt hat: Eine kritische Begleitung dürfe jedoch noch lange kein Grund für die Zerstörung von Versuchsfeldern und Übergriffe auf Wachpersonal sein. „Ich verurteile die Ereignisse auf den Versuchsfeldern bei Groß Lüsewitz aufs Schärfste“, sagte Tack. Diese kriminelle und militante Gegnerschaft diskreditiere alle Gentechnikgegner, die sich sachlich mit den Anwendern und Befürwortern dieser Technologie auseinandersetzen wollen. „Zugleich wird die notwendige Grundlagenforschung erschwert, die die Chancen und Risiken der Grünen Gentechnik für Mensch und Natur zu untersuchen hat“, so Tack.

Ein Stück weit hat da der Fraktionschef der Linken in Meck.-Pomm. recht, mit dieser Behauptung:
“Diese kriminelle und militante Gegnerschaft diskreditiere alle Gentechnikgegner, die sich sachlich mit [...] dieser Technologie auseinandersetzen wollen.”

Nur, Herr Tack, wieviel wissen sie davon genau, und über was davon haben sie mit wem still Schweigen vereinbart? Wie konnte es dazu kommen, daß betroffene AnwohnerInnen den Unterschied zwischen Kultivieren und Gene Manipulieren nicht kennen, sich in 2 Lager spalten lassen? Das Konzept: spalte die Gegner der Märchenstunde und unterstelle ihnen Antisemitismus oder halt etwas anderes!” hat schon nach 9/11 super funktioniert, doch, wenn ein Herr Steinbrück von Ethik, und davon, daß sie wieder in mehr Bereiche Einzug halten müsse, faselt, wäre es doch wünschenswert, er nähme seine Worte ernst.

Das Konzept der SPD, wie man die damals PDS genannte Partei, nicht, wie anläßlich des Radikalenerlasses damals die KPD, verbieten, sondern wie einen gekochten Hummer von innen heraus aufbrechen könne, Wandel durch Annäherung, funktioniert besser, als man früher glauben wollte…

Hütet euch vor dem schnöden Mammon!, soll ein in der westlichen Wertegemeinschaft oft Zitierter Buchheld gesagt haben.

Also, liebe FeldbefreierInnen: macht eure Aktionen nicht an der Landbevölkerung vorbei, informiert die Leute, die manchmal in Bezug auf Informationsbeschaffung im Hintertreffen, weil nicht so internetfest sind, über die Gefahren, informiert euch selbst – wenn aus einer Kartoffelähnlichen Pflanze oder dergleichen Tierfutter oder Medikamente – das zieht immer, bricht den Widerstand, hergestellt werden sollen, ist die Gefahr für den Menschen, der damit leben muß, längst nicht gebannt, sondern wird hinter dem vagen Versprechen eines Nutzens versteckt. Werr nämlich auch nur 50 % der Bevölkerung oder mehr gegen sich aufbringt, landet früher oder später im Kahn, anstatt irgendwann einer provisorischen Regierung oder eionem Revolutionrat anzugehören. Schaut nach, wer in euren Reihen was vorschlägt, woher er oder sie kommen, kamen. Vielleicht schaut ihr euch auch mal Faßbinders 3. Generation oder Das Phantom mit Jürgen Vogel an.
Es schadet jedenfalls nicht.

Am 1. Juli luden KritikerInnen zu einer Inspektion und informierten über weitere Verstöße gegen Sicherheitsauflagen (Ostseezeitung am 2.7.2009). Mit dabei waren NDR und dpa. Die Wachschützer wollten das Fotografieren der illegalen Felder verhindern und griffen den dpa-Fotografen an. Die Inspektionsgruppe stand auf dem öffentlichen Weg außerhalb des Geländes! Mit Fotos wurde die Lage vor Ort dokumentiert.
Sehen so aggressive oder gar militante Feldbefreier aus?

Zurück zum verletzten Wachmann:
• Die Gentechnikseilschaften stimmen in das Konzert ein – eine Quelle für den Angriff auf den Wachmann nennt niemand, das heißt TransGen
• nochmal dann am 3.7.2009 ein zusammenfassender Artikel in der Ostseezeitung – mit einer ganz neuen Version der Verletzung des Wachmanns. Nun ist sein Finger verletzt … außerdem hat offensichtlich er angegriffen. Die Frau, die ihn in den Finger gebissen hat, wird es wissen, denn sie biß, um sich aus dessen Umklammerung zu befreien.

Abschließend nochmal meine Bitte an die BefreierInnen: macht die Aktionen NICHT an der betroffenen Bevölkerung vorbei. Zwischen Städtern und der Landbevölkerung herrscht eh schon ein Widerspruch, dergestalt, das das Leben auf dem Land härter als das in der Stadt ist, weshalb viele, z. B. auch Lucy Redler, vom platten Land in die große Stadt gezogen sind. Mit der Landflucht ist jedoch niemandem, außer den wenigen geholfen, die diese Entwicklung extra anschieben, um sich die Erwerbslosigkeit in der Stadt mittels Dumpinglöhnen zunutze zu machen.

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