Aus für Quelle nicht von ungefähr
4. Juni 2009 | Von msuess | Kategorie: Aktuelles
Einige große Namen klingen uns in den Ohren wie Donnerhall. Wir hören die Namen, assoziieren etwas damit. Nicht jede(r) dasselbe, denn wir sind ja auch nicht alle dieselben. So ähnlich, wie das gestern angeführte Beispiel von Herrn Henkel es belegt, ist es mit Quelle auch:
Da denken die einen daran, wie sie in DDR-Kombinaten die Produktion mit den wenigsten oder keinem Fehler für eben genau jenes Versandhandelshaus gefertigt haben, die anderen etwa daran, wie sie jene Möbelstücke und Rundfunkgeräte, die ursprünglich für den Klassenfeind produziert worden waren, als Rückläufer, die für nicht gut genug befunden wurden, nicht in Valuta-Mark substituiert wurden, für richtig gutes, weil auch sauer verdientes DDR-Geld, etwas teurer als die Durchschnittsware aus den Einrichtungshäusern in die Wohnungen in Marzahn, Hellerdorf oder die Datschen getragen haben.
Jeder Freund und Besucher durfte sich dann die Geschichte anhören, wieviel Stolz der neue Besitzer der Ware, die garnicht für ihn und seinesgleichen, sondern für den Erwerb von Südfrüchten, Kaffee oder anderen dringend benötigten Rohstoffen durch die Kommerzielle Koordinierung, die Alexander Schalck-Golodkowski unterstand, gedacht war, darob jetzt ist.
Eine andere Erinnerung hat mancher sicher auch noch daran: damals wurde nicht mal für Geld und Gute Worte nach Hause geliefert – wer etwas ergattert hatte, benahm sich wie Ente oder Schwan am Teich, wenn jemand ihnen Brot zuwirft, bemühte sich, das große Beutestück etwas abseits von den anderen Entchen in Sicherheit zu bringen. Auch eine Form von Materialismus, wenn man so will, aber, wie Mao Tse-Tung schreibt, gilt es, zwischen Dialektischem und vulgärem, also volkstümlichem Materialismus zu unterscheiden, denn, so führt er weiter aus, sei der vulgäre Materialismus ein verkappter Idealismus. Und ja, dieser Katalog zeigte, ja zeichnete ein Ideal der BRD, des Kapitalismus, für manche, eine Welt, in der man alles per Telefon würde bestellen können, alles zu guten Preisen geliefert würde bekommen, und auch Verschleißteile würden, so die Vorstellung vieler, in der benötigten Menge und Qualität vorhanden sein.

Ah, Frau Feldbusch würde sich zu ihrer tollen Überleitung gratulieren – vom Idealismus komme ich nämlich direkt auf den Quelle-Katalog, jenes “Kompendium” des zeitgenössischen Konsums, wie es sich für manche darstellte. Ein Kompendium, also Nachschlagewerk, das wie Lauschgift die Träume der DDR-BürgerInnen sukzessive beeinflußte, Fragen aufwarf, die auch die KollektivleiterInnen wohl eher nicht oder nicht befriedigend beantworten konnten.
…
Irgendwann kam der harte Alltag für Jeden, insbesondere DDR-BürgerInnen, wieder zum Vorschein. Und ward viel härter, gleich dem des Esels in der Fabel, der, einmal in der Furt mit Salz beladen ausgerutscht war, den nächsten Tag denkt: ‘sicher geht es heute nochmal genauso gut?‘ Nur, daß er diesen Tag Schwämme geladen hatte. Da hatte man denen etwa die Klubkola zunächst weggenommen, und später, wie eine befreundete, ausländische Mitbürgerin es formulierte, die DDR-BürgerInnen zum zweiten Mal auf die Schippe genommen, als die Cola wieder eingeführt wurde. Nein, das ist meine Wortwahl, die Ursprüngliche fiel um einiges drastischer aus. Eingentlich wurde der Name wieder eingeführt, zusammen mit einem entsetzlichen Geschmack, diese neue Clubcola wurde dann gleichzeitig als die einzig politisch korrekte Cola beworben, die zu trinken für jede(n) politisch korrekten Mitmenschen sich gehörte, nebst der abwertenden Allgemeinplätze über die ‘Kapitalistenbrause’, die es im Kreise der anderen politisch Korrekten zu widerholen galt. Wolf unter Wölfen?!
Doch halt! Ich will hier nicht die Politik einiger Getränkekonzerne gegenüber Kolumbianischen und anderen einfachen Arbeitern sowie Gewerkschaftsfunktionären relativieren, noch gar, sie beschönigen. Es geht in diesem Artikel um Quelle. Über dem Artikel im Tagesspiegel, welcher uns mitteilt, daß das Erbe von Quelle fast verspielt sei, erscheint zunächst ein Werbefenster: “Gut für Berlin” steht darauf. Hoffentlich gehört aus Sicht der WerbeetatverwalterInnen nicht beides zusammen.
Wer das Radio anmacht, erfährt von Bundesweiten Demonstrationen der jeweiligen Belegschaften zum Erhalt ihrer Arbeitsplätze, erfährt aber auch davon, daß führende, meist nicht direkt gewählte PolitikerInnen Arcandor, bzw. Karstadt Quelle, nicht mittels Bürgschaften retten wollen. Bürgschaften, die in guten Zeiten, wie man sie lange nicht hatte, wenn sie überhaupt gemacht worden wären, aus regulären Steuereinnahmen kämen, so jedoch, da auch noch die fast-kaum-Steuer, die die großen Konzerne hier entrichten, noch weggebrochen ist, kämen sie bestenfalls aus der Notenpresse.
An dieser Stelle wieder eine “Weisheit” von den Glücksrittern: “Politische Börsen haben kurze Beine!” Die meint, meinte etwa, wenn Boris Jelzin früher Narben im Lebergewebe oder einen länger anhaltenden Kater hatte, oder eben auch nur irgendein Politiker irgendwas gesagt hat, wirkt sich das nur kurz auf das Freie Spiel der Kräfte am Markt aus.
Da ist es wieder, ein Unwort eines vergangenen Jahres: Parallelwelten, und mir schaudert, nicht bloß ob der sichtbaren Wolken, die am Himmel aufziehen.
Vom Tagesspiegel erfahren wir, daß der Erbin der Quelle Gesellschaft, die immernoch, nach dem Bankhaus Salomon Oppenheim, den zweitgrößten Aktienanteil der nunmehr beinahe wertlosen Gesellschaft halte, eine Schlüsselrolle zukäme. Madeleine Schickedanz soll dem Zeitungsautor zufolge leihweise ihren Anteil der Papiere an den Staat übertragen, der dann diese Anteile vorübergehend beleihen soll. Man unkt wohl, ach nein, hofft paßt hier besser, daß diesem ‘guten’ Beispiel das US-Investmenthaus folgen werde, der Größere sich am Kleineren orientiere. Nun ja. Der ungenannte Journalist schickt hinterher, Frau S. habe sich nicht dazu geäußert.
Ist ihr aufgefallen, daß ihr Manager, Thomas Middelhoff, eventuell ein U-Boot ist? Dieser zweitgrößte Anteil der Frau S. ist auch ganze 26,7% groß, also 1,8 % größer als der Prozentsatz, den man, am Volke vorbei, anderen US-Finanzinvestorenhäusern von der Bundesbahn zum Kaufe anbieten wollte. Über Thomas Middelhoff erfährt man, er habe als Betriebswirtschaftsabsolvent die Arbeitsplätze in der Textilfirma seines Vaters nach Fernost, sicher China, dem man dann vorwirft, es halte Umweltstandards nicht ein, und Griechenland verlagert, das, so erfuhr man 2004 neben den Berichten über die Olympischen Spiele, kein Sekundärrohstoffsystem, keine Mülltrennung nach BRD-Vorbild habe. Zwei dynamische, westdeutsche Kleinunternehmerinnen über 40 schickten sich denn auch gleich an, in jener von Gebühren gemachten Doku ordentlich Werbung für ihr Geschäft zu machen, den GriechInnen eine vormoderne Haltung zum Umweltschutz zu attestieren, die gründlich geändert werden müsse.
Wie ging noch die Redensart? “Am deutschen Wesen soll die Welt genesen?”
Dieser Herr Middelhoff hat die Produktion des väterlichen Textilbetriebes aber schon verausschauend? 1984 endgültig nach Fernost bzw. Griechenland, verlagert. Dabei sind die GriechInnen nicht unbedingt die neuen chinesischen Wanderarbeiter, sondern transformieren die RumänInnen zu diesem Zwecke. Viel, gerade ältere Mitmenschen, gehen davon aus, glauben, die im Kalten Krieg sich parallel entwickelte Wirtschaft von BRD und DDR habe nach 1989 zur Schließung von Salzbergbau, Textilindustrie etc. geführt.
Abgeleitet davon kommen auch Resentiments gegen unbelehrbare Ossis dazu, die nicht erkennen wollen daß…
Andererseits scheint sich die KarstadtQuelle AG / Arcandor auch ohne die tatkräftige Mithilfe des Hernn M. zielstrebig an der Geschichte der Fugger orientieren zu wollen: Aufstieg und Fall während vier Generationen. Jedenfalls gibt ihr der Journalist viel Verantwortung am Niedergang des Unternehmens, hat sie sich doch den Herrn M. selbst in den Vorstand berufen.
“Des Menschen Werk ist Stückwerk!” sagen fromme Christen an solchen Stellen meist, wollen am Klassencharakter der Gesellschaft indes nicht rütteln.
Aus dem wiki-Eintrag erfahren wirauch, daß Herr M. eine steile Karriere bei Mohn/Bertelmann hinlegte, ja die Leitung der Zentralen Unternehmensentwicklung sowie die Koordination der Multimedia-Geschäfte von Bertelsmann übernahm. Die Epoche des Kapitalismus vor der Globalisierung, vor dem Stamokap, dem Staatsmonopolistischen Kapitalismus, wie er verächtlich genannt wurde, wie wir ihn jetzt wieder zurück haben wollen, hieß Kapitalismus der freien Konkurrenz. Am Besten stetiges Wachstum ist jedoch eine der Hauptanforderungen an kapitalistische Produktionsbetriebe wie Banken gleichermaßen.
An die Stelle der too big to fail – Illusion tritt daher bei so genannten Marktbereinigungen zunächst eine Übereinkunft zwischen vormalgen Gegnern, Nebenbuhlern, die im selben Wald gewildert, im selben Teich gefischt haben, und von nun an ihre Vorstände und Belegschaften ausdünnen, die Unterlegenen zuerst aussortieren, ganz so, als habe Charles Darwin DAS, was voller anderer, falscher Illusionen von der Journallie als Synergieeffekt so bezeichnet wird, mit der unter den Tieren beobachteten Auslese gemeint.
Ganz kurz: Erbin Madeleine wirbt Thomas an, man kauft den Karstadt-Konzern, hofft auf ein turn around des Unternehmens, also so etwas, das man den ehemaligen DDR-BürgerInnen nach dem Vereinigungstaumel so lange versprochen hat, das dennoch für die meisten nie eintrat, Thomas propagiert die Börse immernoch, jetzt unter neuen Herren, bekommt mehr Gehör, und so wird vormals Gleiches ungleich, denn die Familie Mohn/Bertelsmann, die nach US-Vorbild noch in den Neunziger Jahren einen der aggressivsten Strukturvertriebe aufbaute, wird aus der Weltwirtschaftskrise eher noch vermögender hervorgehen, und vielleicht kommt der Herr M. dann wieder in den Vorstand der Bertelsmann AG zurück.
Die hier Vorgestellten gelten sicher manchen als Leistungsträger par excellance.
Nun ist also diese Quelle bald versiegt, öfffnet, wenn, dann unter einem anderen Namen in einer fernen Zeit, und wer sich bisher über die viel zu wenig von der Leitung angestellten Angestellten ärgerte, die gesucht werden mußten, die dann wohl noch schlecht geschult waren, um Kaufberatung für dies oder jenes zu erhalten, die Wut aber an denen ausließ, die im Grunde nichts dafür konnten, sollte sich womöglich bald aufmachen, um das Ideal von Geiz ist Geil – vielleicht einen möglichst großen Flachbildfernseher für lau zu ergattern, auf dem man dann wieder Werbung und PolitikerInnen sehen kann, denen nichts Gescheites zu sagen einfällt. Nehmen Sie auch n schnurloses Telefon mit – damit kann man gleich beim Fernsehen weiterbestellen.






