Gewerkschaftsbasis – neue Schäfchen?

17. Mai 2009 | Von msuess | Kategorie: Aktuelles

Wem als Kind eine Christlich-bürgerliche Erziehung zuteil wurde, ist die Bezeichnung ‘Schafe’ oder auch ‘Schäfchen’ für die Gemeinde der Gläubigen, exklusiv dem Pastor, Prediger etc. geläufig. Im Vorspann der Hollywood-Politsatire The Watchmen erklingt zur musikalischen Untermalung des Einführungsplots ein Flowerpowersong, in welchem dem Sänger aufgeht, daß alles, insbesondere die Zeiten, sich in stetiger Veränderung befinden. Die Flowerpower- oder auch Antikriegsbewegung entstand unter dem Eindruck des Angriffskrieges der USA gegen Vietnam. Die Hippies hatten gegen die seinerzeit schon hochgerüsteten US Polizei- und andere Spezialeinheiten Schnittblumen, die sie symbolisch in die gegen sie gerichteten Gewehrläufe eben jener Einheiten steckten. Mao Tse Tung, einem großer Dialektiker seiner Zeit, war derlei schon länger bekannt:

Ein gutes Beispiel für die sich verändernden Widersprüche zwischen 2 oder mehr Bewegungen ist ein Fußballspiel ohne illegale Absprachen. Keiner weiß so genau, was in den kommenden 90 Minuten passiert, wer sich oder wen verletzt, in der Folge vom Platz muß, ob sich die verbleibenden Spieler im Übereifer blockieren, oder paralysiert sind, den inneren Zusammenhalt verlieren, wie die AnhängerInnen der alten Sozialistischen Parteien in Osteuropa 20 Jahre nach der Annexion durch die westliche Wertegemeinschaft. Aber alles folgt gewissen Spielregeln und deren strikter oder lockerer Auslegung.

So schrieb Mao schon in den 60er Jahren in seiner Schrift Über den Widerspruch: “Wenn sich der revolutionäre Bürgerkrieg derart entwickelt, daß er die Existenz des Imperialismus und seiner Lakaien, der einheimischen Reaktion, in ihren Grundlagen bedroht, dann greift der Imperialismus oft zu anderen Mitteln, um seine Herrschaft aufrecht zu erhalten: entweder sucht er, die revolutionäre Front zu spalten, oder er interviniert unmittelbar mit seinen eigenen Streitkräften, um der einheimischen Reaktion zu helfen.”

Wie schon eingangs erwähnt, verändern sich die Zeiten stets und ständig, so auch seit Maos physischem Tode. Revolutionäre Kämpfe selbst scheinen heute eine andere Gestalt zu haben, als damals: verängstigt und verunsichert wirkende, oftmals wenig oder schlecht informierte Menschen kommen, mit bunten T-Shirts und Longsleeves mit unterschiedlichsten Forderungen in die Bundeshauptstadt, um, gleich dem Karneval, mit lautem Pfeifen, Schreien, Rasseln und verstärkter Musik aus der Konserve, markigen Reden ihrer Hirten zuzujubeln.

Oder, habe ich mich geirrt? Hatten die vielen, gleich dem adaptierten, christlichen Sylvesterbrauche, böse Geister mit ihrem Lärm vertreiben wollen? In dem Fall müßt ihr noch viel lauter werden! O. k., ein bißchen Verwirrung gibt es unter den TeilnehmerInnen bundesweiter Demonstrationen immer, was sich aus der Natur derselben herleitet: wer nämlich mit so einem Bus angereist ist, hat meist keine Kenntnis der Gegend, in welche gefahren wurde, und macht sich zusätzlich Sorgen, am Abend nicht noch den Bus zurück in die Heimat zu verpassen. Alles auch schon erlebt.

Doch so, wie sich das gestern darstellte, sollte man niemand mehr zur Überwindung der selbstverschuldeten Unmündigkeit mittels Bildung animieren. Die Teilnehmerzahlen werden erfahrungsgemäß stark differieren, je nach dem, wer sie bekannt gibt, aber es gab auch eine weite, erfühlbare Kluft zwischen den einen und den anderen:  Erste Facette derselben, oder eine Seite eines Widerspruches, um bei Mao zu bleiben: wer unter der mobilisierten Gewerkschaftsbasis nicht bei Opel arbeitete, dem war nach eigenem Bekunden das Schicksal der Opel-ArbeiterInnen egal, ja manche(r) Nicht-Opelaner wünschte dem Opelwerk das Sterben in der Hoffnung bzw. Gewissheit, daß eine Solidarität aller im Deutschen Gewerkschaftsbund organisierter Beschäftigter

- schon die Redner auf den Tribünen verwenden Volkabular wie Arbeitgeber, Arbeitslose usw., verschlampte Begriffe, wie He-Ka-Te von duckhome.de sie nennt -

nur den sicheren Verlust von noch mehr Arbeitsplätzen zur Folge habe.

Fiat-ArbeiterInnen etwa fühlten sich von unserem Flugblatt mit der Aufschrift “Rettet Opel vor GM und Fiat” angegriffen, manch einer war geringfügig gesprächsbereit, fragte zurück, was denn so schlimm an der Übernahme-offerte von Fiat sei, und, daß die schweizerische Magna nur 20 % von Opel nehmen wolle, die übrigen 80 % und ihr Verbleib ergo nicht geklärt seien. Auf den Gedanken, man könnte auf die Dächer der Opelwerke wieder ein schönes VEB-Schild nageln, und der Staat so, als Miteigentümer, endlich mal Arbeitsplätze schaffen, kam keiner.

Angehörige, Mitglieder der IG NGG, auch keine Autobauer, riefen mir entgegen, Opel müsse sterben, man dürfe Opel nicht erhalten, da Opel ja unwirtschaftliche, ineffektive Autos baue. Vergleiche zeigen, das könnte man allenfalls vielen Verbrennungsmotoren der Ford Division of Europe vorwerfen, nicht jedoch den stark auf eine Rennsemmel-Klientel abonnierten Opelwerken. Mich verwirrte, daß diese MolkereiarbeiterInnen eine Mundart sprachen, wie sie in Eisenach, bei Opel, von den Einheimischen gesprochen wird. Schade, echt Schade! Wer soll denn demnächst eure Milcherzeugnisse kaufen? Dieses Denken bis zur Nichtschwimmergrenze im Schwimmbad, bis zum Tellerrand und ja nicht weiter, ist Ausdruck einer Kulturrevolution von Oben, einer ganz anderen, wie der seinerzeit in der Volksrepublik China:

Heute gibt es Freundesnetzwerke im Weltnetz, mobile Kommunikation auch in das Weltnetz und dort heraus, Talentshows wie Dieter, ach nein Deutschland sucht den Superstar, Germany’s next Topmodel usw.

hat wer verschlafen oder sonst wie verpasst, daß die Modelgagen seit Ende der frühen 90er, als eine Naomi Campbell noch nicht wegen Gewalt wider ihre Assistenten vorbestraft war, also nach dieser enormen Übertreibung, wieder auf , vernünftige Werte herunter gefahren wurden?

Selbst zu Zeiten dieser für wenige seligen Spekulation, in welchen eine Tatjana Patitz etwa 20.000 DM oder US$ / h für einen Auftritt bekam, waren viele Manequins, wie sie davor lange hießen, nur für wenige Jahre on all the covers, und für sie galt der 2. Halbsatz auch: “when you’re not, then they love another!”

Doch zurück zur Gewerkschaftsbasis, sich auflösendem Zusammenhalt unter den Einzelgewerkschaften, ja unter den Belegschaften der Ausbeuterbetriebe: die Kommunikation auch unter diesen hat sich revolutioniert, nicht nur die Fertigungsmethoden der Bourgeoisie. Man erfährt oder kann, ob so ein hoffnungsvolles ‘Talent’ demnächst noch dabei oder schon geschasst worden ist, kann mitbestimmen, wer in einer Container-Pseudo-WG neu dazu kommt oder gehen muß, wie in einem Ersatzparlament. Und auch, wenn ich mich an solch Angeboten für Freizeitgestaltung nicht beteilige, sie nicht wahrnehme, muß ich davon ausgehen, daß viele, ja vielzuviele andere es tun. So ist man über dies und das ‘informiert’ von dem mancher früher sagte: “Das ist ja so interessant, wie wenn in China ein Sack Reis umfällt!” und lädt ständig Akkumulatoren auf, damit es ja weiter gehen kann, aber untereinander, in Bereichen, wo es echt wichtig wäre, grenzt man sich ab, spricht nicht miteinander, will keine Handzettel haben, tut alles, nur einen Handzettel nicht lesen.

Jetzt muß ich aber auch ein Eingeständnis machen: anscheinend hatte ich mal wieder die falsche Kleidung getragen. Nicht etwa für Mindestlöhne, die eh von der Inflation mehr als eskomptiert werden, wenn sie überhaupt mal kommen, nicht, daß ich ob der prekären Beschäftigung Unruhepotential in mir trüge, sondern ein Shirt mit einem lächelnden Genossen Mao Tsedong und den Idogrammen, die indes hauptsächlich die asiatische DemoteilnehmerInnen gelesen haben dürften: Widerstand leisten drunter. Mao spaltet die Bevölkerung in den europäischen Ländern, wie einst der Systemkonflikt zwischen Ost- und Westeuropäischen Ländern. So meinten manche anerkennend: “tolles Shirt trägst du da!” andere hielten mich für einen organisierten Maoisten, (war ich nie) mißtrauten wohl daher dem völlig unmaoistischen Inhalt des Handzettels, aber die mit Abstand größte Zahl der nach Berlin gekarrten Basisgewerkschafter war sehr reserviert, oft, ohne hierfür einen Grund vorzutragen, mancher von denen gab auch zu erkennen, dort von uns, der VI und ihren Absichten gelesen zu haben, wo man uns aus Angst und üblichen Gebahren diffamiert, verunglimpft usw.

Auch lustig waren noch Werber der Linkspartei im Bundestag: wie schon in meinem Artikel von gestern angedeutet, in der Linkszeitung vor Monaten schon beschrieben, plant die Linke einen weitgehend inhaltslosen Wahlkampf mit möglichst vielen Freiwilligen, die 24/7 unermüdlich der Salonlinken Stimmenzuwächse bei der BT-Wahl bescheren sollen. Für die Unentschiedenen: “gebt Acht, wer Mindestlohn von anderen fordert, selbst jedoch, wenn überhaupt,   1 € / h bezahlt, und natürlich keine Sozialabgaben davon abführt.”

wolfwerbung“The times, they are changing!” oder: Kinder, wie die Zeit vergeht! Vor 20 Jahren noch Sozialistische Einheitspartei Deutschlands, und heute politisches Einerlei. Aber nicht nur diese Zeiten haben sich verändert: Seit Beginn der, nennen wir sie mal 2. Welle der Aufklärung, also dem Beginn der Weimarer Republik, und damit schließt sich der Kreis meines Artikels, mit der Revolution in der Unterhaltunselektronik durch die Nazis, einer klassisch Bourgeoisen Revolution nach Marx und Engels, welcher zufolge die Produktionsmethoden radikal verändert, im Grunde nur die Lizenzgebühren für angelsächsische Röhrenpatente nicht mehr bezahlt, und so die Produktionkosten gesenkt wurden,

volks

läuft den alten Schafhirten, den Pfaffen der (alten) Staatsreligion hierzulande, die Herde weg, und die ist, ganz wie beim Symbol, paralysiert ob des Rudels der Wölfe und Hyänen, das sabbernd und Zähne fletschend von überall her lauert, hat den Egoismus neu für sich entdeckt und die Scheuklappen dazu. Die geneigte Leserin, auch die Leser möchten sich bitte mal vor ihrem geistigen Auge so eine Chimäre vorstellen, zusammen basteln: ein Schaf mit Scheuklappen, wie sie Pferde tragen, und dazu eine Trillerpfeife im Mund, auf der laut geblasen wird, das alte, wohl vor 2 jahren schon gedruckte 7,50 Mondestlohn-Shirt bitte nicht vergessen…

Guten Appetit! wünscht der Autor.

Bildeinsendungen, Fotomontagen des Hybrids dürfen gern eingesandt werden, die drei besten Entwürfe, egal, ob Fotomontage oder frei gezeichnet, wird die VI auf ihrer Webseite ausstellen Für den ersten unter den drei Besten Einsendungen darf gevotet werden, die solchermaßen ermittelte, kraeativste Person darf gern gestalterisch aktiv bei der VI mitmachen.

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