November/Dezember 2008

1. Dezember 2008 | Von luise | Kategorie: Volksinitiative Diskussionen

Im November kam die Einladung von Jürgen.

Es sollte ein politisches Gespräch geben, mit verschiedenen Gästen. In der Bibliothek des Max & Moritz. Zu Beginn würde er ein Referat halten. Aha.

Die verschiedenen Gäste waren wirklich sehr verschieden! Alt und jung, Ost und West, aus unterschiedlichsten Lebens- und Arbeitszusammenhängen. Ich glaube, größtenteils kannten sich die Leute nicht untereinander. Ich fand es spannend, auch, weil ich lange nicht am politischen Geschehen teilgenommen hatte. Ein bisschen überrascht war ich, weil ich Jürgen bis dahin ausschließlich als Schreibtischtäter kennengelernt hatte. Jetzt wollte er also aktiv werden. Verfügt er denn über einschlägige Erfahrungen? Jürgens Referat hielt für mich keine großen Überraschungen parat, da ich seine letzten beiden Bücher sehr gut kenne. Er erläuterte die komprimierten Erkenntnisse aus seinen Recherchearbeiten und war nun dabei, zusätzlich einen politischen Ansatz für politisches Handeln zu entwickeln.

Das Referat war gut! Das anschließende Gespräch war angeregt, aber auch ein wenig holprig. Kein Wunder bei den heterogenen Vorstellungen, die da zur Sprache kamen. Es folgten dann noch mehrere weitere Treffen. Manche Leute blieben weg, andere kamen neu hinzu. Bis sich eine Stammgruppe herausbildete. So weit, so gut.

Mich interessierte besonders die Idee, Möglichkeiten zu suchen, die breite Lücke zwischen „der Politik“ und ganz normalen Leuten zu überbrücken. Denn die politische Welt ist erkennbar so abgeschottet, dass man kaum noch Berührungen und Erfahrungen mit dem alltäglichen Leben vermutet. Erschreckend ist das. Gleichzeitig entwickelte sich ja die bekannte Politikverdrossenheit der Bevölkerung. Und richtig schlimm ist eine weitere Begleiterscheinung, das Verkümmern von politischer Bildung und Kultur. Ich finde das beängstigend. Das war auf jeden Fall schon mal mein Thema. Alles andere hätte mich gleich gelangweilt. Schließlich rede ich jahraus jahrein sowohl im beruflichen als auch privaten Leben mit x-beliebigen Leuten. Dazu kommen nun ganz aktuell die großen Sorgen der Leuten wegen der Finanzkrise. Mit wenigstens einem positiven Effekt: politische Fragen spielen wieder eine größere Rolle im Alltagsgespräch.

So kam es, dass ich mich Jürgens Analyse der Situation und seinen weiteren Vorschlägen gegenüber sehr aufgeschlossen zeigte. Viele Beiträge der anderen Teilnehmer unserer Runde fand ich auch sehr anregend. Und natürlich gab es auch Bedenken, bis hin zu handfester Kritik. Die einen fanden den Begriff „Volk“ gut, die anderen nicht. Das gleiche gilt für alles rund um das Wort „national“. Darf man sich nun mit den Möglichkeiten der „nationalen Handlungsebene“ auseinandersetzen oder ist das schon bäh? Ach ja, und das mit der Volksfront – nicht Querfront! Die Political correctness legt sich mit harter Strenge bedrohlich über die Worte, so dass ein entspannter Umgang mit der Sprache gar nicht mehr möglich ist. (Also, wenn ich Leuten im richtigen Leben mit solchen Geschichten käme, die würden mir glatt den Vogel zeigen!)

Die einen wollen gleich mit der gesamten Political correctness brechen, andere doch mehr Rücksichten nehmen. Schwierig, schwierig. Aber es gab schon noch anders gelagerte Differenzen. Zum Beispiel ist es stellenweise fast nicht möglich, Jürgens hohes Tempo mitzuhalten. Das ist mir schon beim Lesen seiner Bücher aufgefallen. Du jagst einen durch Deinen Text, sagte ich mal zu ihm. Mehrfach wurde er gebeten, den Leuten ein wenig mehr Zeit zu lassen. Andere hatten damit überhaupt kein Problem. Denen schien das Flotte gerade recht zu sein! Ein weiterer wunder Punkt war Jürgens Hang zu Provokationen. Musste das sein? Immer diese heiklen Begriffe, immer dieser Gauweiler, und dann dieser Unsinn, beim Kritisieren von „Randgruppen“-orientierter Politik diese unbeabsichtigt zu beleidigen. Wieviel unnötigen Ärger und Missverständnisse hätte er sich schon ersparen können. – Naja, da müssen wir schon noch ein wenig üben, mit unserem Jürgen.

Aber das alles hinderte uns nicht, das weitere Vorgehen zu planen. Wir einigten uns auf einen Namen, „Volksinitiative“. (Zwischen Volksentscheid, Volkshochschule, Volksuni, „Wir sind das Volk!“ fühlt man sich ganz gut aufgehoben. Mehr „Volk“ hatten wir nicht im Sinn). Wir beschlossen, unsere Inhalte fürs erste in ein paar griffigen Thesen zusammenzufassen, und begannen dann eine Veranstaltung vorzubereiten.

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